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© Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e.V

Heimatbewegung zwischen den Weltkriegen

Von Heinz Schröer

 

Aus Anlass seines 90jährigen Bestehens erinnert der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e.V an seinen Gründer, den Lehrer Friedrich Rohlmann.

Die Eindrücke des ersten Weltkrieges wirkten noch immer in den Menschen. Die Vielfalt des Erlittenen ließ Heimweh und im Gefolge davon den Heimatgedanken als Volksbewegung entstehen, so auch im Tecklenburger Land.

Eine Interessengruppe in Westerkappeln, sie nannte sich „Die Hüter der Sloopsteine“, pflegten Überlieferungen und stellten sich auch der Aufgabe, Naturdenkmäler zu schützen. Zu dieser Gruppe gehörte Friedrich Rohlmann. Er und seine Weggefährten waren beseelt von dem Gedanken, ihr Wirken und Wissen ins Volk zu tragen. Im November 1919 fiel dann die Entscheidung, eine entsprechende Institution ins Leben zu rufen.

Unter der Bezeichnung „Verein für Heimatkunde Westercappeln“ entstand der älteste Heimatverein im Altkreis Tecklenburg. Bereits in den Gründungstagen gehörten dem Verein 100 Mitglieder an.

Bei Wanderungen und Besichtigungen konnten nun die Westerkappelner die Aufgaben des Heimatschutzes und der Heimatpflege erfahren. Es fanden Volksunterhaltungsabende statt, die u.a. der westfälische Literatur und dem Volkslied gewidmet waren. Bereits 1921 führte der Verein für Heimatkunde den ersten Westerkappelner Heimattag durch.

Schon ein Jahr später erfolgte die zweite Auflage mit umfangreichen Aktivitäten, die auch eine Gewerbeausstellung des heimischen Handwerkes enthielten. In seinem Festvortrag hob Sanitätsrat Dr. Simon nochmals das Anliegen der Heimatbewegung hervor: „Die Aufgabe, die unsere Heimatvereine sich gestellt haben, ist die Erforschung unserer Heimat in ihren natürlichen Bedingungen und in ihrer geschichtlichen Entwicklung, das Ziel, das wir erstreben, ist die Erweckung und Förderung der Liebe zur Heimat und zu unserem Vaterlande.“

Ein bis in die heutigen Tage begehrtes Erinnerungs- und Sammelobjekt vom Zweiten Heimattag 1922 sind die fünf Erinnerungsscheine (bisweilen auch Notgeldscheine genannt). In eindrucksvoller Weise wird an die Reinhildislegende erinnert, Industrie- und Naturdenkmalen gedacht und die plattdeutsche Sprache lebendig gehalten.

Friedrich Rohlmann erwies sich als unermüdliche Triebfeder für die Heimatbewegung im Tecklenburger Land. Auf sein Betreiben hin folgten in vielen Orten ebenfalls Gründungen von Heimatvereinen. Dem Schützenwesen fühlte er sich gleichermaßen verbunden, so dass er neben den Heimattagen auch Heimatschützenfeste ausrichtete.

Seine Aktivitäten führten zu einer Berufung zum Kreisheimatpfleger und Vertreter der Heimatvereine in Arbeitsauschüssen des Westfälischen Heimatbundes. Viele Berichte in den heimischen Medien und die Herausgabe der Tecklenburger Heimatkalender sind ihm zu verdanken.

Als Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde in Westerkappeln begann Friedrich Rohlmann 1920 mit der Anlage von Heimatbüchern. Bis zum Jahre 1937 schuf er jahrgangsweise einen unschätzbaren Fundus mit wertvollen Fotos, Zeichnungen und Berichten. Die Jahrgänge 1920 und 1921 sind wohl in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Dies ist bedauerlich, da im ersten Band die Gründungsunterlagen des Vereins für Heimatkunde zu vermuten sind.

Die verbliebenen 16 Bände bilden mit ihren über 1.800 Seiten eine Dokumentation, die Geschichte vermittelt und Basis für Fortsetzungsgeschichten der lokalen Historiker ist.

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die Arbeit der Heimatvereine zurückgedrängt und als überflüssig bezeichnet.

Diese Entwicklung führte wahrscheinlich auch dazu, dass für den Jahrgang 1937 das letzte Heimatbuch angelegt wurde. Aus den folgenden (Kriegs-) Jahren ist von der Arbeit des Heimatvereins nichts wesentliches bekannt. Ein aktives Vereinsleben war offensichtlich nicht möglich.

Viel zu früh nahm der Tod am 26. Mai 1943 Friedrich Rohlmann 54jährig die Feder aus der Hand. Es war ihm nicht vergönnt, seine Lebensarbeit so zu vollenden, wie er es sich erhoffte.

Erst 1947 nahm der Verein für Heimatkunde seine Arbeit wieder auf. Im Jahre 1968 wurde er in „Kultur- und Heimatverein“ umbenannt. Dieser gab sich im September 1978 eine neue Satzung und führt nunmehr den Zusatz „e.V.“ (eingetragen im Vereinsregister Nr. 371 beim Amtsgericht Tecklenburg).

Auch im 90. Jahr seines Bestehens zählt der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e.V. die Beweggründe der Pioniertage zu seinen primären Aufgaben. Die Verantwortlichen sind stets bemüht, diese mit Leben zu füllen.

Der vorstehende Bericht gibt weder ein vollständiges Lebensbild vom Vereinsgründer Friedrich Rohlmann noch die komplette Vereinsgeschichte wieder. Er ist ein Mosaikstein zum Gedenken an Freunde und Gönner der Heimatbewegung von gestern und heute.

Dieser Artikel ist erschienen im Jahrbuch "UNSER KREIS 2009" für den Kreis Steinfurt ( ISBN 3-926619-80-5 ) Herausgeber: Kreis Steinfurt und Kreisheimatbund Steinfurt